Mittwoch
22.14 Uhr
Hey Ihr,
heute morgen ging es also in aller Herrgottsfrühe auf nach Cape Tribulation. Etwas mehr als
eine Stunde nördlich von Cairns gelegen ist es nochmals ein Stück näher am Äquator als die
Stadt hier. Darüber hinaus ist es der Einzige Ort auf unserer schönen Erde, an dem der
Regenwald auf einen Strand trifft - Grund genug, dem Ganzen doch mal einen Besuch abzustatten.
Zunächst fuhren wir eine wirklich beeindruckend schöne Straße entlang, die sich in Serpentinen
der Küste folgend in die Berge schlängelte. Erster Stopp war dann der Daintree River, auf
dem wir mittels eines Bootes auf Krokodil-Suche gingen - und "Scarface" fanden. "Scarface"
ist ein fünf Meter langes Ungetüm von einem Krokodil, Herrscher über das Territorium und
hat darüber hinaus vor sechs Monaten einen jungen Mann gefressen, der dreimal in Folge zur
gleichen Zeit am Fluss Wasser holen war.

Dieses ist nicht dein Zimmer.
Nun denn, nach dieser äußerst spannenden und lehrreichen Bootsfahrt [in den Sechzigern haben
sie 9 10m-Krokos aus dem Fluss gefischt -.-] fuhren wir tiefer hinein in den ältesten
Regenwald unseres Planeten. Dieser ist zarte 140 Mio Jahre alt und gelinde gesagt unfassbar
interessant.
Mit unserem Guide machten wir einen Rundgang durch den Wald, stets auf der Suche nach exotischen
Pflanzen, lustigen Tieren - und dem Cassowary. Der Cassowary ist der gefährlichste Vogel der
Welt, wird zwei Meter groß und kann einen [wenn er denn will] mit seinen Klauen von oben
bis unten aufschlitzen.
Schade eigentlich, dass uns von diesem [angeblich größtenteils friedlichen] Fiederfreund
kein Exemplar über den Weg gelaufen ist. Nicht.
Dafür gab es aber tolle Bäume, irre alte Pflanzen und lauter spannende Klamotten, die so ein
Regenwald zu bieten hat.
Gegen ein Uhr mittags wurden wir dann in unseren Hostels abgesetzt - eine Reihe von Holzhäusern,
die ein findiger Geschäftsmann mitten in den Dschungel gebaut hat. Sehr aufregend das Ganze,
völlig fernab jeglicher Zivilisation, Internet und Handyempfangs.


In der Gegend selbst gab es eine Menge zu erkunden, so zum Beispiel die beiden Strände, an
denen der Regenwald direkt in Sandstrand übergeht - einzigartig wie gesagt, und genau das
war es auch.

Auf eigene Faust habe ich kurz vor Anbruch der Dunkelheit noch einen Rundgang auf einem
eingerichteten Regenwald-Boardwalk gemacht - eine schlaue Idee, wenn man nicht weiß, wann
man am anderen Ende wieder raus kommt und es langsam aber sicher immer dunkler wird. So
wurde dieser Walk sicher spannender als er zwingend hätte sein müssen - jedes Geräusch [alle
Tiere sind nachtaktiv, je später der Abend, umso lauter der Wald] wurde von mir vorsichtig
geortet, auf einen 2 Meter großen Schlitzervogel konnte ich auch um diese Uhrzeit und angesichts
meiner Einsamkeit durchaus immer noch verzichten. Dafür hatte ich eine beiderseits überraschende
Begegnung mit einer Wildsau, die daraufhin laut grunzend im Wald verschwand.
Überlebt habe ich dann letzten Endes doch - nur um gegen halb acht zu einer nächtlichen
Dschungel-Safari abgeholt zu werden. Da wie gesagt der Großteil der im Regenwald lebenden
Tiere nachtaktiv ist, lebt der Dschungel erst Nachts so richtig. Ein lustiger Scherz vom Guide
übrigens, auf der Fahrt zur Basis bergauf bei Tempo 60 das Licht auszuschalten. Er weiß schon,
was er tut. Hoffentlich.
Unglaublich tolle Dinge haben wir sehen können: Dragons [Echsen], Spinnen, leuchtende Pilze,
unfassbar laute Frösche von der Größe eines Daumenfingernagels - toll. Und wenn man um zehn
Uhr nachts mitten im tiefsten Regenwald steht und alle Taschenlampen ausgehen, weiß man, was
'Dunkelheit' eigentlich bedeutet.
Mein Abendessen bestand heute aus einer Schüssel Instant-Nudeln. Die Marke nennt sich "Fantastic",
was mir angesichts der Tatsache, dass ihr Produkt schmeckt wie alte Leute unterm Arm, doch
eventuell etwas hoch gegriffen vorkommt. Aber was soll's...
Zudem habe ich heute J. und C. kennengelernt, die beide Psychologie studieren und aus dem
Ruhrpott kommen - und als Krönung des Ganzen habe ich endlich die erste Schwedin auf dem
Zimmer. Eine Schande, dass ich darauf drei Wochen warten musste...
Bis morgen, ich geh' mal im Dschungel schlafen!